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JUNI
2026

Jungautorinnen lesen eigene Texte an der Singbergschule

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Was wissen junge Menschen denn schon von Lebenskrisen? Jede Menge, wie Cheyenne Kubala (22) und Marie Wäß (24) berichten können. Die beiden Preisträgerinnen des OVAG-Jugendliteraturpreises haben gestern Kurzgeschichten vor Schülerinnen und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 10 gelesen. Ob geplatzte Träume oder gescheiterte Beziehungen – die jungen Frauen waren nicht zimperlich mit ihren autobiografisch angehauchten Heldinnen.
Jeder kennt doch eine Tante Trude, die einen auf Familienfeiern der Oma mit teils unangenehmen Fragen zum eigenen Leben behelligt. Cheyenne Kubala lässt eine solche Tante im Leben ihrer Protagonistin auftauchen, die noch niemandem erzählt hat, dass sie bereits seit einem Jahr ihr Studium geschmissen hat. Und das, obwohl sie in der Schule immer nur Einsen hatte. Wie sie feststellt, geht es aber auch den gleichaltrigen Familienmitgliedern nicht unbedingt anders. Und dann steht man eben mit 22 bereits vor dem Ende seiner Träume. Dass das aber nicht das Ende des Lebens bedeutet, dürfen wir annehmen, denn die namenlose Heldin weiß am Ende ganz gut, wie sie mit den Erwartungshaltungen der anderen umzugehen hat.
Marie Wäß’ Protagonistin findet trotz diverser Krisen – der Freund hat mit einem Seitensprung die Beziehung beendet, ein Kind ist aber unterwegs – Trost an dem einzigen Ort, der wie kein anderer für Stabilität steht: Daheim. Zwar rückt auch sie nicht mit der Sprache heraus, wie es ihr eigentlich geht, aber der vertraute Umgang innerhalb ihrer Familie zu Weihnachten gibt ihr Halt. Sogar die Sorgen des Vaters vor Krieg, Populismus und Klimakrise fühlen sich da nicht so dramatisch an. Daheim ist es eben doch am schönsten.
Solche Geschichten sind sehr nah an dem Leben der Singbergschülerinnen und Schüler. Weil die Autorinnen gar nicht so viel älter sind als sie selbst. Eine Botschaft hatten die beiden Jungautorinnen zwar gar nicht unbedingt mitgebracht. Aber dennoch konnten die jungen Leute voneinander lernen, etwa, dass es wichtig ist, Träume zu verfolgen, auch wenn man dabei scheitern kann.
Ziel der Lesung, die kenntnisreich und schülernah von der Redakteurin Naomi Ott moderiert wurde, war es auch, den jungen Leuten den OVAG-Preis nahezubringen. Zu sagen, dass es nicht viel braucht, um daran teilzunehmen. „Ich schreibe immer über ein Gefühl“, sagt Cheyenne Kubala. Marie Wäß meint: „Man kann über alles schreiben, auch über diese Tafel“. Es ist möglich, sich in einen Schreibfluss hineinzuschreiben, glauben die jungen Frauen. Man muss eben nur anfangen. Beide wurden nicht schon bei der ersten Teilnahme Preisträgerinnen, sind jetzt aber schon mehrfach dabei.
Einsendeschluss ist der 15. Juli. Teilnehmen können alle zwischen 14 und 24. Eine Vorgabe, welche Art Text eingesendet werden muss, gibt es nicht. Neben bis zu 1000 Euro Preisgeld winkt ein mehrtägiger Workshop in Bad Kissingen. Dort kommen alle jungen Preisträgerinnen und Preisträger zusammen, erhalten Feedback zu ihren Texten und verbringen viel Zeit miteinander. Alles prämierten Texte werden Jahr für Jahr in einem eigenen Band herausgebracht, der im Buchhandel oder direkt bei der OVAG erhältlich ist.

Die Preisträgerinnen Marie Luise Wäß, Cheyenne Kubala und Moderatorin Naomi Ott (v.l.)