Ein kommunalpolitischer Besuch mit nachhaltiger Wirkung
#SBSdiskutiert – Demokratische Kultur im Schulkontext
Wenn junge Menschen die Stimme erheben, Demokratie erleben und extremistische Ideologien kritisch hinterfragen, entstehen Gespräche, die weit über den schulischen Rahmen hinausreichen. Ein solcher Austausch entwickelte sich am 21. November an der Singbergschule Wölfersheim, als Vertreterinnen und Vertreter des Gemeindevorstands und der Gemeindevertretung die Plakatausstellung „RECHTSaußen – MITTENdrin? Rechtsextremismus: Erscheinungsformen und Handlungsmöglichkeiten“ besuchten. Die Ausstellung des beratungsNetzwerks hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus war bereits im Vorfeld über die Presse vorgestellt worden und hatte dort große Aufmerksamkeit erzeugt. In Reaktion auf diese Berichterstattung meldeten sich Gemeindevorstand und Gemeindevertretung, um einen Besuch anzuregen und das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern bewusst zu suchen.
Zu den Gästen zählten Bürgermeister Eike See, die Erste Beigeordnete Carmen Körschner (SPD), Rainer Iseler (Bündnis 90/Die Grünen), der Vorsitzende der Gemeindevertretung Gerhard Weber (SPD), der Grünen-Fraktionsvorsitzende Michael Rückl, der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Bommersheim sowie Sebastian Göbel, Beauftragter für Kultur und Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde. Im Foyer des Hauptgebäudes wurden sie von Fachbereichsleiter Dr. Matthias Zipp, Simone Zarifoglu und Alena Geppert begrüßt, die das Projekt gemeinsam initiiert, konzipiert und pädagogisch verantwortet hatten.
Die Ausstellung umfasst 26 Poster, die zentrale Erscheinungsformen rechtsextremer Ideologien systematisch darstellen und mit aktuellen Daten aus dem Verfassungsschutzbericht des Bundesinnenministeriums unterlegt sind. Behandelt werden strukturelle Merkmale rechtsextremer Parteien, Gruppen und Netzwerke ebenso wie ideologische Muster, Rekrutierungsmechanismen, soziale Einflussfaktoren und individuelle Anknüpfungspunkte. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Themen Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus sowie deren historischen und gesellschaftlichen Kontinuitäten. Die Kombination aus wissenschaftlicher Aufbereitung und visueller Klarheit wurde von den Schülerinnen und Schülern als ausgesprochen informativ, übersichtlich und gut zugänglich bewertet.
Dr. Matthias Zipp hob in seiner Einführung hervor: „Demokratieförderung bedeutet, Lernenden das intellektuelle Rüstzeug zu vermitteln, um Ideologien der Ungleichwertigkeit frühzeitig zu erkennen, analytisch einzuordnen und ihnen argumentativ wie moralisch fundiert entgegenzutreten. Schule muss ein Ort sein, an dem Urteilsfähigkeit, Empathie und Verantwortungsbewusstsein in gleichem Maße wachsen.“ Simone Zarifoglu ergänzte, dass die Ausstellung den Jugendlichen ermögliche, in einem geschützten und dialogorientierten Rahmen eigene Positionen zu reflektieren, zu artikulieren und weiterzuentwickeln.
Im Anschluss wandte sich Bürgermeister Eike See mit deutlichen Worten an die Schülerinnen und Schüler: „Rechtsextremismus und Hass dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, Hetze und Intoleranz klar abzulehnen und mutig für eine offene, demokratische Gemeinschaft einzutreten.“ Auch Michael Rückl und Gerhard Weber betonten die Notwendigkeit von Zivilcourage, kritischer Medienkompetenz und verantwortlicher gesellschaftlicher Teilhabe. Zugleich würdigten sie das Engagement der Singbergschule, die mit ihrem breit angelegten Angebot politisch-historischer Bildung ein tragfähiges Fundament demokratischer Kultur pflege.
Im anschließenden Gespräch zwischen Kommunalpolitik und Oberstufenschülerinnen und -schülern entwickelte sich rasch eine Atmosphäre des Austauschs auf Augenhöhe. Die Jugendlichen ordneten es als wohltuend ein, dass kommunale Entscheidungsträger sich für ihre Sichtweisen, Erfahrungen und Fragen interessieren und bereit sind, diese ernsthaft zu diskutieren. Gesprächsthemen reichten von spezifischen Inhalten der Ausstellung über aktuelle Erscheinungsformen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bis hin zu grundsätzlichen Fragen demokratischer Beteiligung, kommunalpolitischer Entscheidungsprozesse und der Bedeutung politischer Jugendpartizipation. In einer offenen, respektvollen Diskussionskultur, begleitet von Kaffee, Lebkuchen und Plätzchen, wurde sichtbar, wie sehr junge Menschen politische Diskurse mitgestalten wollen – wenn ihnen Raum und Resonanz gegeben werden.
Der Besuch verdeutlichte, dass die Singbergschule mit der Ausstellung nicht nur ein markantes Zeichen gegen Extremismus setzt, sondern zugleich ein Forum schafft, in dem politische Bildung erfahrbar und wirksam wird. Er zeigt, dass eine lebendige demokratische Schulkultur dort entsteht, wo Schülerinnen und Schüler ernst genommen werden, Verantwortliche aus Politik und Schule kooperieren und gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam reflektiert werden – mitten in der Gemeinde und getragen von der gemeinsamen Verpflichtung zu einer offenen, vielfältigen und demokratischen Zukunft. (ZFS/ZIM)






