„Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen“ – Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf zu Gast
Bericht über das Zeitzeugengespräch mit Eva Umlauf
Anlässlich des Gedenkens an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 fand am Montag, dem 28. Oktober 2024, ein bewegendes Zeitzeugengespräch an der Singbergschule statt. Die Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf war eingeladen, um ihre Geschichte mit den Schülerinnen und Schülern zu teilen und ein tiefgehendes Verständnis für die Schrecken des Holocaust zu vermitteln.
Die Veranstaltung gegen das Vergessen – für Demokratie und Toleranz fand in der evangelisch-reformatorischen Kirche zu Wölfersheim statt und richtete sich an die gesamte Jahrgangsstufe 13 sowie an die Geschichtsleistungskurse der Jahrgangsstufen 11 und 12. Auch die Schüler der AG „Diktatur erinnern – Demokratie leben“ nahmen an dem Gespräch teil. Die Lernenden waren im Vorfeld im Rahmen des Geschichtsunterrichts von ihren Lehrern um Oberstufenleiter Winfried Auel, Katharina Pietsch, Marvin Klähn und Fabian Ruppel auf diesen besonderen Termin vorbereitet worden.
Die zweistündige Veranstaltung begann mit der Eröffnungsrede von Dr. Matthias Zipp, dem Fachbereichsleiter des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfelds, der die Zeitzeugin, die geladenen Ehrengäste sowie die Lernenden und Lehrenden gleichermaßen im Namen der Schulleitung und der gesamten Schulgemeinde aufs Herzlichste begrüßte und Eva Umlaufs Biografie kurz skizzierte. Neben der Hauptprotagonistin Eva Umlauf, die im KZ Nováky in der Slowakei geboren und am 27. Januar 1945 in Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde, waren auch Bürgermeister Eike See, Neithard Dahlen vom Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland und Manfred de Vries, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, anwesend. Auch sie wandten sich mit eindringlichen Worten an die Schüler und beglückwünschten sie zu der Möglichkeit, eine Zeitzeugin des Holocausts im Rahmen einer Lesung mit anschließendem Gespräch erleben zu können.
Im Zentrum des Vormittags stand jedoch Eva Umlauf selbst, die in einem fesselnden Vortrag aus ihrem Leben berichtete. Sie verband ihre persönlichen Erinnerungen mit der Lektüre zweier Kapitel aus ihrem 2016 erschienenen Buch Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen. Die Kapitel „Geburt in Nováky“ und „Ankunft in Auschwitz“ ließen die Lernenden die unvorstellbaren Erlebnisse der Zeitzeugin nachfühlen. Nach ihrem Vortrag folgte eine Fragerunde, in der die interessierten Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit hatten, tiefer auf das Gehörte einzugehen und Fragen an die Zeitzeugin zu stellen. Eva Umlauf nahm sich für alle Anliegen Zeit und gab den Jugendlichen einen authentischen Einblick in die traumatischen Erlebnisse der NS-Zeit und die Bedeutung des Erinnerns und Gedenkens.
Ein besonderer Dank gilt Pfarrer Lars Stephan und dem Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Wölfersheim, die die Kirche als Veranstaltungsort zur Verfügung stellten. Dank gebührt auch der Landeszentrale für politische Bildung, die die Veranstaltung finanziell unterstützte und so den Schülerinnen und Schülern eine nachhaltige Lernerfahrung ermöglichte.
Das Gespräch mit Eva Umlauf hinterließ bei den Anwesenden tiefe Eindrücke und erinnerte eindringlich an die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Geschichte, um das Erinnern lebendig zu halten und die Werte der Demokratie zu schützen. (PIK/ZIM)

von links nach rechts: Neithard Dahlen, Katharina Pietsch, Winfried Auel, Dr. Matthias Zipp, Eva Umlauf, Fabian Ruppel, Manfred de Vries, Marvin Klähn, Eike See