{"id":9353,"date":"2017-06-15T18:38:36","date_gmt":"2017-06-15T16:38:36","guid":{"rendered":"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=9353"},"modified":"2017-06-17T18:33:04","modified_gmt":"2017-06-17T16:33:04","slug":"ich-habe-eine-bekanntschaft-gemacht-die-mein-herz-naeher-angeht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=9353","title":{"rendered":"\u201eIch habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz n\u00e4her angeht\u201c"},"content":{"rendered":"<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-9377 size-full\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Gruppenbild-k.jpg\" alt=\"\" width=\"703\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Gruppenbild-k.jpg 703w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Gruppenbild-k-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 703px) 100vw, 703px\" \/><\/h3>\n<h3><span style=\"color: #800000;\"><strong>Sch\u00fcler der Einf\u00fchrungsphase erkunden die historische Altstadt von Wetzlar und begeben sich auf Goethes und Werthers Spuren<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-9356\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Wetzlar-k-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"377\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Wetzlar-k-300x169.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Wetzlar-k.jpg 703w\" sizes=\"auto, (max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/>Am Mittwoch, dem 14.06.2017, machten sich die Deutsch-Grundkurse von Frau Grohmann, Frau Happ, Frau Lecybyl und Herrn Dr. Zipp sowie der Vorleistungskurs von Frau Kammel auf den Weg nach Wetzlar, um in der historischen Altstadt der Goethe- und Optikstadt gemeinsam auf den Spuren Goethes und Werthers zu wandeln. Im Vorfeld hatten sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Einf\u00fchrungsphase im Rahmen des Deutschunterrichts ausf\u00fchrlich mit der Epoche des Sturm und Drang auseinandergesetzt und in diesem Zusammenhang Goethes Briefroman \u201eDie Leiden des jungen Werthers\u201c, der erstmals anonym im Herbst 1774 in Leipzig erschien und aufgrund seiner Thematik und k\u00fcnstlerischen Gestaltung heute zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur geh\u00f6rt, besprochen.<\/p>\n<p>Die mittelhessische Stadt und ihre Umgebung dienten dem jungen Goethe, der im Mai 1772 in Wetzlar eintraf, um sich auf Gehei\u00df seines Vaters der Juristerei zu widmen, als Kulisse f\u00fcr seinen Werther-Roman. Goethe verarbeitete darin seine eigene, ungl\u00fcckliche Liebe zu Charlotte Buff, der Tochter des Kastnereiverwalters und Amtmanns Heinrich Adam Buff und Verlobten des hannoverschen Legationssekret\u00e4rs Johann Christian Kestner. Die Beschreibungen der einzelnen Schaupl\u00e4tze sind dabei so pr\u00e4zise, dass man sie auch heute noch m\u00fchelos wiederfinden kann. Grund genug f\u00fcr Frau Grohmann, Fachsprecherin Deutsch, eine Exkursion in die nur 35 km von W\u00f6lfersheim entfernte idyllische Kleinstadt an der Lahn zu organisieren.<\/p>\n<p>Um 9.00 Uhr trafen sich die Teilnehmer der Exkursion auf dem Bahnhofsgel\u00e4nde, um nach einem kurzen Briefing gemeinsam mit ihren Lehrern durch die Wetzlarer Innenstadt zum Brunnen am Dom zu laufen. Dabei durchliefen sie einen Optikparcours, der zum Experimentieren und Entdecken einlud und den Absolventen an mehreren Stationen verschiedene Aspekte der Optik und des Sehens erfahrbar machte. Auf dem Domplatz angekommen, wurden die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler von sachkundigen Stadtf\u00fchrern in Empfang genommen. Auf den Spuren Goethes und Werthers besichtigten sie im Rahmen der gut zweist\u00fcndigen F\u00fchrung unter anderem den Goethebrunnen, den Lottehof, das Geburtshaus von Charlotte Buff und das Jerusalemhaus. An Originalschaupl\u00e4tzen vorgetragene Rezitationen aus dem Briefroman (z.B. am Goethebrunnen) machten die historische F\u00fchrung auch zu einem literarischen Erlebnis. Besonders ergreifend war die Rezitation des Werther-Schlusses im Jerusalemhaus am heutigen Schillerplatz, wo auch die F\u00fchrung endete. Hier beging Karl Wilhelm Jerusalem, der als Legationssekret\u00e4r der braunschweigischen Gesandtschaft zum Studium der Prozessf\u00fchrung nach Wetzlar kam und als Vorbild f\u00fcr die literarische Hauptfigur Eingang in Goethes Briefroman fand, am 29. Oktober 1772 Selbstmord.<\/p>\n<hr \/>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #800000;\">Ein Nachbar sah den Blick vom Pulver und h\u00f6rte den Schu\u00df fallen; da aber alles stille blieb, achtete er nicht weiter drauf. Morgens um sechse tritt der Bediente herein mit dem Lichte. Er findet seinen Herrn an der Erde, die Pistole und Blut. Er ruft, er fa\u00dft ihn an; keine Antwort, er r\u00f6chelt nur noch. Er l\u00e4uft nach den \u00c4rzten, nach Alberten. Lotte h\u00f6rt die Schelle ziehen, ein Zittern ergreift alle ihre Glieder. Sie weckt ihren Mann, sie stehen auf, der Bediente bringt heulend und stotternd die Nachricht, Lotte sinkt ohnm\u00e4chtig vor Alberten nieder.<\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #800000;\">Als der Medikus zu dem Ungl\u00fccklichen kam, fand er ihn an der Erde ohne Rettung, der Puls schlug, die Glieder waren alle gel\u00e4hmt. \u00dcber dem rechten Auge hatte er sich durch den Kopf geschossen, das Gehirn war herausgetrieben. Man lie\u00df ihm zum \u00dcberflu\u00df eine Ader am Arme, das Blut lief, er holte noch immer Atem. Aus dem Blut auf der Lehne des Sessels konnte man schlie\u00dfen, er habe sitzend vor dem Schreibtische die Tat vollbracht, dann ist er heruntergesunken, hat sich konvulsivisch um den Stuhl herumgew\u00e4lzt. Er lag gegen das Fenster entkr\u00e4ftet auf dem R\u00fccken, war in v\u00f6lliger Kleidung, gestiefelt, im blauen Frack mit gelber Weste.<\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #800000;\">Das Haus, die Nachbarschaft, die Stadt kam in Aufruhr. Albert trat herein. Werthern hatte man auf das Bett gelegt, die Stirn verbunden, sein Gesicht schon wie eines Toten, er r\u00fchrte kein Glied. Die Lunge r\u00f6chelte noch f\u00fcrchterlich, bald schwach, bald st\u00e4rker; man erwartete sein Ende. Von dem Weine hatte er nur ein Glas getrunken. \u00bbEmilia Galotti\u00ab lag auf dem Pulte aufgeschlagen. Von Alberts Best\u00fcrzung, von Lottens Jammer la\u00dft mich nichts sagen.<\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #800000;\">Der alte Amtmann kam auf die Nachricht hereingesprengt, er k\u00fc\u00dfte den Sterbenden unter den hei\u00dfesten Tr\u00e4nen. Seine \u00e4ltesten S\u00f6hne kamen bald nach ihm zu Fu\u00dfe, sie fielen neben dem Bette nieder im Ausdrucke des unb\u00e4ndigsten Schmerzens, k\u00fc\u00dften ihm die H\u00e4nde und den Mund, und der \u00e4lteste, den er immer am meisten geliebt, hing an seinen Lippen, bis er verschieden war und man den Knaben mit Gewalt wegri\u00df. Um zw\u00f6lfe mittags starb er. Die Gegenwart des Amtmannes und seine Anstalten tuschten einen Auflauf. Nachts gegen eilfe lie\u00df er ihn an die St\u00e4tte begraben, die er sich erw\u00e4hlt hatte. Der Alte folgte der Leiche und die S\u00f6hne, Albert vermocht&#8217;s nicht. Man f\u00fcrchtete f\u00fcr Lottens Leben. Handwerker trugen ihn. Kein Geistlicher hat ihn begleitet.<\/span><\/h4>\n<hr \/>\n<p>Den freien Nachmittag nutzten unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bei herrlichem Sonnenschein zu einem gem\u00fctlichen Stadtbummel, der Einkehr in eines der zahlreichen Caf\u00e9s und zum Shoppen. Wir hoffen, dass ihnen der gemeinsame Ausflug gefallen hat und sie viele neue Eindr\u00fccke mit nach Hause genommen haben.<\/p>\n<h5>F\u00fcr die Fachschaft Deutsch \u2013 Dr. M. Zipp<\/h5>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-9378\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/13-k-300x172.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/13-k-300x172.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/13-k.jpg 703w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9376 alignleft\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/12-k-300x268.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/12-k-300x268.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/12-k.jpg 703w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-9375\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/8-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/8-300x225.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/8-768x576.jpg 768w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/8.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9374 alignleft\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/7-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/7-300x169.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/7-768x432.jpg 768w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/7.jpg 1032w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-9373\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/6-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/6-300x225.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/6-768x576.jpg 768w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/6-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/6-75x55.jpg 75w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/6.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9372 alignleft\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/4-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/4-300x225.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/4-768x576.jpg 768w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/4.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-9371 size-full\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/2.jpg\" alt=\"\" width=\"1032\" height=\"581\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/2.jpg 1032w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/2-300x169.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/2-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1032px) 100vw, 1032px\" \/><\/p>\n<h6><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00fcler der Einf\u00fchrungsphase erkunden die historische Altstadt von Wetzlar und begeben sich auf Goethes und Werthers Spuren Am Mittwoch, dem 14.06.2017, machten sich die Deutsch-Grundkurse von Frau Grohmann, Frau Happ, Frau Lecybyl und Herrn Dr. Zipp sowie der Vorleistungskurs von Frau Kammel auf den Weg nach Wetzlar, um in der historischen Altstadt der Goethe- und Optikstadt gemeinsam auf den Spuren Goethes und Werthers zu wandeln. 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Die Beschreibungen der einzelnen Schaupl\u00e4tze sind dabei so pr\u00e4zise, dass man sie auch heute noch m\u00fchelos wiederfinden kann. Grund genug f\u00fcr Frau Grohmann, Fachsprecherin Deutsch, eine Exkursion in die nur 35 km von W\u00f6lfersheim entfernte idyllische Kleinstadt an der Lahn zu organisieren. Um 9.00 Uhr trafen sich die Teilnehmer der Exkursion auf dem Bahnhofsgel\u00e4nde, um nach einem kurzen Briefing gemeinsam mit ihren Lehrern durch die Wetzlarer Innenstadt zum Brunnen am Dom zu laufen. Dabei durchliefen sie einen Optikparcours, der zum Experimentieren und Entdecken einlud und den Absolventen an mehreren Stationen verschiedene Aspekte der Optik und des Sehens erfahrbar machte. Auf dem Domplatz angekommen, wurden die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler von sachkundigen Stadtf\u00fchrern in Empfang genommen. Auf den Spuren Goethes und Werthers besichtigten sie im Rahmen der gut zweist\u00fcndigen F\u00fchrung unter anderem den Goethebrunnen, den Lottehof, das Geburtshaus von Charlotte Buff und das Jerusalemhaus. An Originalschaupl\u00e4tzen vorgetragene Rezitationen aus dem Briefroman (z.B. am Goethebrunnen) machten die historische F\u00fchrung auch zu einem literarischen Erlebnis. Besonders ergreifend war die Rezitation des Werther-Schlusses im Jerusalemhaus am heutigen Schillerplatz, wo auch die F\u00fchrung endete. Hier beging Karl Wilhelm Jerusalem, der als Legationssekret\u00e4r der braunschweigischen Gesandtschaft zum Studium der Prozessf\u00fchrung nach Wetzlar kam und als Vorbild f\u00fcr die literarische Hauptfigur Eingang in Goethes Briefroman fand, am 29. Oktober 1772 Selbstmord. Ein Nachbar sah den Blick vom Pulver und h\u00f6rte den Schu\u00df fallen; da aber alles stille blieb, achtete er nicht weiter drauf. Morgens um sechse tritt der Bediente herein mit dem Lichte. Er findet seinen Herrn an der Erde, die Pistole und Blut. Er ruft, er fa\u00dft ihn an; keine Antwort, er r\u00f6chelt nur noch. Er l\u00e4uft nach den \u00c4rzten, nach Alberten. Lotte h\u00f6rt die Schelle ziehen, ein Zittern ergreift alle ihre Glieder. Sie weckt ihren Mann, sie stehen auf, der Bediente bringt heulend und stotternd die Nachricht, Lotte sinkt ohnm\u00e4chtig vor Alberten nieder. Als der Medikus zu dem Ungl\u00fccklichen kam, fand er ihn an der Erde ohne Rettung, der Puls schlug, die Glieder waren alle gel\u00e4hmt. \u00dcber dem rechten Auge hatte er sich durch den Kopf geschossen, das Gehirn war herausgetrieben. Man lie\u00df ihm zum \u00dcberflu\u00df eine Ader am Arme, das Blut lief, er holte noch immer Atem. Aus dem Blut auf der Lehne des Sessels konnte man schlie\u00dfen, er habe sitzend vor dem Schreibtische die Tat vollbracht, dann ist er heruntergesunken, hat sich konvulsivisch um den Stuhl herumgew\u00e4lzt. 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