{"id":8998,"date":"2017-05-08T20:35:30","date_gmt":"2017-05-08T18:35:30","guid":{"rendered":"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=8998"},"modified":"2017-05-10T15:01:56","modified_gmt":"2017-05-10T13:01:56","slug":"keine-schuld-an-der-vergangenheit-aber-verantwortung-fuer-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=8998","title":{"rendered":"Keine Schuld an der Vergangenheit, aber Verantwortung f\u00fcr die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Auch \u00fcber siebzig Jahre nach dem Holocaust ist es wichtig, sich der Vergangenheit zu erinnern und der eigenen Verantwortung bewusst zu werden. Wer davon spricht, dass dieses Thema schon zur Gen\u00fcge behandelt und f\u00fcr unsere Jugend nicht mehr von Relevanz sei, verkennt, dass Unrecht \u2013 damals wie heute \u2013 gerade durch die Gleichg\u00fcltigkeit und den mangelnden Einsatz des Einzelnen gef\u00f6rdert wird. Das wissen unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Qualifikationsphase , weswegen sie Anita Lasker-Wallfisch, \u00dcberlebende des Vernichtungslagers Auschwitz und des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, gespannt zuh\u00f6rten, als diese von ihren Erlebnissen als Cellistin des H\u00e4ftlingsorchesters und den Zuf\u00e4llen, die ihr \u00dcberleben sicherten, berichtete.<\/p>\n<p>Uwe Hartwig, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Auschwitz, organisierte und moderierte das Zeitzeugengespr\u00e4ch in Absprache mit Fachbereichsleiter Uwe M\u00fcller und Fachsprecherin Beate Kl\u00fcber. Ein besonderer Dank gilt dem Wetteraukreis f\u00fcr die finanzielle Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Begr\u00fc\u00dft wurde die heute in London lebende Zeitzeugin von der Schulband der Singbergschule unter der Leitung von Thomas K\u00fcchenmeister, die sehr passend ihr Paradest\u00fcck \u201eIf you tolerate this your children will be next\u201c (im Original von den Manic Street Preachers) spielte, sowie eine kurze Einf\u00fchrung durch Lucia K\u00fcchenmeister.<\/p>\n<p>Nach weiteren Gru\u00dfworten durch Fachbereichsleiter Uwe M\u00fcller und Oberstufenleiter Franz Wild betonte der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Jan Weckler den Vorteil der Vermittlung authentischer Erfahrungen gegen\u00fcber dem Lernen mit B\u00fcchern. Abschlie\u00dfend bekr\u00e4ftigte auch der Vorsitzende des F\u00f6rdervereins der W\u00f6lfersheimer Schulen, Eike See, die Bedeutung von Zeitzeugengespr\u00e4chen f\u00fcr die Konstruktion unseres Geschichtsbildes.<\/p>\n<p>Anita Lasker-Wallfisch, 1925 in Breslau als Tochter eines Rechtsanwalts und einer Musikerin geboren, berichtet, ihr Vater habe sich als deutsch angesehen und die gesamte Familie sei nicht religi\u00f6s gewesen. 1943 gelangte Anita, nach der Deportation ihrer Eltern w\u00e4hrend der Zwangsarbeit als Urkundenf\u00e4lscherin \u00fcberf\u00fchrt, gemeinsam mit ihrer Schwester Renate nach Auschwitz. Der Status als Kriminelle, den sie mit ihrem Vater befreundeten Juristen zu verdanken glaubt, bewahrte die beiden vor der sofortigen Ermordung. Dass Verbrecher besser als Unbescholtene behandelt worden seien, betont Lasker-Wallfisch besonders. In Auschwitz rettete Anitas Status als Cellistin des H\u00e4ftlingsorchesters beide Schwestern, in Bergen-Belsen wiederum war sie auf die Unterst\u00fctzung ihrer Schwester Renate angewiesen. W\u00e4hrend des Berichtes betont die Zeitzeugin, kein Interesse daran zu haben, den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern durch Schildern der schrecklichen Erlebnisse des Lageralltages ein schlechtes Gewissen einzureden. Vielmehr sollten sich ihre Zuh\u00f6rer ihrer Verantwortung f\u00fcr die Entwicklungen in der heutigen und zuk\u00fcnftigen Gesellschaft bewusst werden.<\/p>\n<p>Nach der Befreiung durch die Briten und einer ungewissen Zeit als \u201edisplaced person\u201c konnten Anita und Renate es ihrer Schwester Marianne nachtun und in Gro\u00dfbritannien eine neue Heimat finden. Auch hier stie\u00df man in der direkten Nachkriegszeit aber auf mangelndes Interesse und Unverst\u00e4ndnis, was die erlebten Schrecken anging. F\u00fcr Anita Lasker-Wallfisch war es ein langer Weg der Auseinandersetzungen und auch der Begegnungen auf ihren Konzertreisen, die sie dazu bewegten, als Zeitzeugin t\u00e4tig zu werden. Zuvor ver\u00f6ffentlichte sie ihr an ihre Kinder gerichtetes Buch \u201eIhr sollt die Wahrheit erben Die Cellistin von Auschwitz. Erinnerungen.\u201c (1997 erschienen).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Oberstufensch\u00fclerinnen und \u2013sch\u00fcler ergab sich ein fruchtbarer Austausch mit einer der letzten lebenden Zeuginnen einer Zeit, die wir manchmal gern vergessen m\u00f6chten, aber niemals vergessen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1546.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8991 size-medium\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1546-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1546-300x201.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1546.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1549-1-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8992 size-medium alignright\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1549-1-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1549-1-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1549-1-1.jpg 703w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1556-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8993 size-medium\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1556-1-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1556-1-300x201.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_1556-1.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3142-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-8995 size-medium\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3142-1-300x222.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3142-1-300x222.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3142-1.jpg 703w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3140-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8996 size-medium\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3140-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3140-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3140-1.jpg 703w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3146-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-8997 size-medium\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3146-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3146-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_3146-1.jpg 703w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch \u00fcber siebzig Jahre nach dem Holocaust ist es wichtig, sich der Vergangenheit zu erinnern und der eigenen Verantwortung bewusst zu werden. 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Begr\u00fc\u00dft wurde die heute in London lebende Zeitzeugin von der Schulband der Singbergschule unter der Leitung von Thomas K\u00fcchenmeister, die sehr passend ihr Paradest\u00fcck \u201eIf you tolerate this your children will be next\u201c (im Original von den Manic Street Preachers) spielte, sowie eine kurze Einf\u00fchrung durch Lucia K\u00fcchenmeister. Nach weiteren Gru\u00dfworten durch Fachbereichsleiter Uwe M\u00fcller und Oberstufenleiter Franz Wild betonte der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Jan Weckler den Vorteil der Vermittlung authentischer Erfahrungen gegen\u00fcber dem Lernen mit B\u00fcchern. Abschlie\u00dfend bekr\u00e4ftigte auch der Vorsitzende des F\u00f6rdervereins der W\u00f6lfersheimer Schulen, Eike See, die Bedeutung von Zeitzeugengespr\u00e4chen f\u00fcr die Konstruktion unseres Geschichtsbildes. Anita Lasker-Wallfisch, 1925 in Breslau als Tochter eines Rechtsanwalts und einer Musikerin geboren, berichtet, ihr Vater habe sich als deutsch angesehen und die gesamte Familie sei nicht religi\u00f6s gewesen. 1943 gelangte Anita, nach der Deportation ihrer Eltern w\u00e4hrend der Zwangsarbeit als Urkundenf\u00e4lscherin \u00fcberf\u00fchrt, gemeinsam mit ihrer Schwester Renate nach Auschwitz. Der Status als Kriminelle, den sie mit ihrem Vater befreundeten Juristen zu verdanken glaubt, bewahrte die beiden vor der sofortigen Ermordung. Dass Verbrecher besser als Unbescholtene behandelt worden seien, betont Lasker-Wallfisch besonders. In Auschwitz rettete Anitas Status als Cellistin des H\u00e4ftlingsorchesters beide Schwestern, in Bergen-Belsen wiederum war sie auf die Unterst\u00fctzung ihrer Schwester Renate angewiesen. W\u00e4hrend des Berichtes betont die Zeitzeugin, kein Interesse daran zu haben, den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern durch Schildern der schrecklichen Erlebnisse des Lageralltages ein schlechtes Gewissen einzureden. Vielmehr sollten sich ihre Zuh\u00f6rer ihrer Verantwortung f\u00fcr die Entwicklungen in der heutigen und zuk\u00fcnftigen Gesellschaft bewusst werden. Nach der Befreiung durch die Briten und einer ungewissen Zeit als \u201edisplaced person\u201c konnten Anita und Renate es ihrer Schwester Marianne nachtun und in Gro\u00dfbritannien eine neue Heimat finden. Auch hier stie\u00df man in der direkten Nachkriegszeit aber auf mangelndes Interesse und Unverst\u00e4ndnis, was die erlebten Schrecken anging. F\u00fcr Anita Lasker-Wallfisch war es ein langer Weg der Auseinandersetzungen und auch der Begegnungen auf ihren Konzertreisen, die sie dazu bewegten, als Zeitzeugin t\u00e4tig zu werden. Zuvor ver\u00f6ffentlichte sie ihr an ihre Kinder gerichtetes Buch \u201eIhr sollt die Wahrheit erben Die Cellistin von Auschwitz. Erinnerungen.\u201c (1997 erschienen). F\u00fcr die Oberstufensch\u00fclerinnen und \u2013sch\u00fcler ergab sich ein fruchtbarer Austausch mit einer der letzten lebenden Zeuginnen einer Zeit, die wir manchmal gern vergessen m\u00f6chten, aber niemals vergessen d\u00fcrfen. &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8993,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,142,144,5,127,141],"tags":[221,14],"class_list":["post-8998","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-gymnasium","category-hr-zweig","category-news","category-oberstufe","category-religionethik","tag-geschichte","tag-zeitzeugen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8998","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8998"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8998\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9165,"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8998\/revisions\/9165"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8993"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8998"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8998"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8998"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}