{"id":15862891,"date":"2026-02-07T07:31:18","date_gmt":"2026-02-07T06:31:18","guid":{"rendered":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=15862891"},"modified":"2026-02-07T07:32:28","modified_gmt":"2026-02-07T06:32:28","slug":"das-geht-unter-die-haut-zweitzeugengespraech-an-der-singbergschule-macht-ns-verbrechen-und-rassismus-bis-heute-begreifbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=15862891","title":{"rendered":"\u201eDas geht unter die Haut\u201c \u2013 Zweitzeugengespr\u00e4ch macht NS-Verbrechen und Rassismus bis heute begreifbar"},"content":{"rendered":"<p><strong>#SBSerinnert:<\/strong><br \/>\nW\u00f6lfersheim. An zwei Terminen am 4. und 6. Februar 2026 setzten sich die Abschlussklassen 9H und 10R der Singbergschule W\u00f6lfersheim intensiv mit der Geschichte der Sinti und Roma sowie den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander. Im Mittelpunkt stand ein Zweit- und Zeitzeugengespr\u00e4ch mit Ricardo Lenzi Laubinger, dem Vorsitzenden der Hessischen Sinti-Union, der aus Wiesbaden angereist war.<\/p>\n<p>Initiiert wurde die Veranstaltung von der Fachschaft Geschichte und organisatorisch begleitet von Katharina Pietsch, Beauftragte f\u00fcr die \u201e\u00d6ffnung von Schule\u201c, sowie Dr. Matthias Zipp, Fachbereichsleiter II. Die Durchf\u00fchrung des Projekts wurde durch die finanzielle F\u00f6rderung der Hessischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung erm\u00f6glicht, der die Schule seit vielen Jahren f\u00fcr ihr Engagement in der Erinnerungs- und Demokratiearbeit verbunden ist.<\/p>\n<p>Zu Beginn wurde in kurzen Ansprachen deutlich, wie wertvoll direkte Begegnungen mit Zeit- und Zweitzeugen f\u00fcr junge Menschen sind. Pers\u00f6nliche Lebensgeschichten k\u00f6nnten historische Ereignisse begreifbar machen und dazu beitragen, demokratische Grundwerte zu st\u00e4rken sowie Vorurteilen und Ausgrenzung entschlossen entgegenzutreten.<\/p>\n<p>Nach der Einf\u00fchrung stimmte ein kurzer Film die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf das Thema ein. Anhand historischer Bild- und Filmdokumente wurde das Ausma\u00df der nationalsozialistischen Verbrechen verdeutlicht und eine ruhige, nachdenkliche Atmosph\u00e4re geschaffen.<br \/>\n\u201e<strong>Man merkt sofort, dass das kein normales Unterrichtsthema ist, sondern etwas, das einen pers\u00f6nlich betrifft<\/strong>\u201c, sagte eine Sch\u00fclerin der Klasse 10R im Anschluss.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6253.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15862893 size-medium\" src=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6253-300x354.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6253-300x354.jpeg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6253.jpeg 755w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Im anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch berichtete Ricardo Lenzi Laubinger von der Geschichte seiner Familie, die w\u00e4hrend der NS-Zeit schwerste Verfolgung erleiden musste. Auch wenn er selbst nicht Opfer des Holocausts war, schilderte er eindrucksvoll die seelischen Verletzungen, die diese Zeit bei seinen Angeh\u00f6rigen hinterlassen hat. Besonders ersch\u00fctternd war der Bericht \u00fcber seine Mutter, die als einziges Mitglied ihrer Familie das Konzentrationslager Auschwitz \u00fcberlebte und dort den Mord an ihren Eltern und Geschwistern miterleben musste..<br \/>\nEin Sch\u00fcler aus der 9H erkl\u00e4rte dazu: \u201e<strong>Wenn jemand vor einem sitzt und von seiner eigenen Familie erz\u00e4hlt, versteht man erst, was diese Geschichte wirklich bedeutet.<\/strong>\u201c<\/p>\n<p>\u00dcber die Zeit des Nationalsozialismus hinaus machte Laubinger deutlich, dass Ausgrenzung und Benachteiligung f\u00fcr Sinti und Roma auch nach 1945 keineswegs beendet waren. Er berichtete von polizeilichen Erfassungen, zu denen Angeh\u00f6rige der Minderheit weiterhin verpflichtet wurden, sowie von der systematischen Ablehnung von Entsch\u00e4digungsantr\u00e4gen. Selbst schwerste Schicksale seien lange Zeit nicht anerkannt worden \u2013 ein Umstand, der viele der Jugendlichen besonders fassungslos zur\u00fccklie\u00df.<br \/>\n\u201e<strong>Ich dachte immer, nach dem Krieg w\u00e4re alles besser gewesen \u2013 das stimmt so einfach nicht<\/strong>\u201c, stellte eine Sch\u00fclerin nachdenklich fest.<\/p>\n<p>Doch das Gespr\u00e4ch blieb nicht in der Vergangenheit verhaftet: Der Zeitzeuge schlug immer wieder die Br\u00fccke in die Gegenwart und warnte vor den aktuellen Formen des Alltagsrassismus, f\u00fcr die er ebenfalls Beispiele gab.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler h\u00f6rten aufmerksam zu und zeigten sich tief bewegt. In der abschlie\u00dfenden Gespr\u00e4chsrunde stellten sie zahlreiche Fragen, die Laubinger ausf\u00fchrlich und offen beantwortete. Die rege Beteiligung zeigte, wie intensiv sich die Jugendlichen mit den geschilderten Erfahrungen auseinandergesetzt hatten. Zum Ende der Veranstaltung rief Laubinger dazu auf, Verantwortung zu \u00fcbernehmen und sich aktiv f\u00fcr Menschenrechte, Demokratie und ein respektvolles Miteinander einzusetzen.<br \/>\n\u201e<strong>Das Gespr\u00e4ch hat mir gezeigt, dass Wegschauen keine Option ist<\/strong>\u201c, fasste ein Sch\u00fcler zusammen.<\/p>\n<p>Die beiden Veranstaltungstage hinterlie\u00dfen bei Lernenden und Lehrkr\u00e4ften einen nachhaltigen Eindruck. Die Schule betonte im Nachgang, wie wichtig solche Begegnungen f\u00fcr eine lebendige Erinnerungskultur seien und dass Geschichte gerade durch pers\u00f6nliche Erfahrungen ihre eindringlichste Wirkung entfalte. (PIK\/ZIM)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6254-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-15862892 size-full\" src=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6254-1.jpg\" alt=\"\" width=\"906\" height=\"581\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6254-1.jpg 906w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6254-1-300x192.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6254-1-768x493.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 906px) 100vw, 906px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#SBSerinnert: W\u00f6lfersheim. An zwei Terminen am 4. und 6. Februar 2026 setzten sich die Abschlussklassen 9H und 10R der Singbergschule W\u00f6lfersheim intensiv mit der Geschichte der Sinti und Roma sowie den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander. Im Mittelpunkt stand ein Zweit- und Zeitzeugengespr\u00e4ch mit Ricardo Lenzi Laubinger, dem Vorsitzenden der Hessischen Sinti-Union, der aus Wiesbaden angereist war. Initiiert wurde die Veranstaltung von der Fachschaft Geschichte und organisatorisch begleitet von Katharina Pietsch, Beauftragte f\u00fcr die \u201e\u00d6ffnung von Schule\u201c, sowie Dr. Matthias Zipp, Fachbereichsleiter II. Die Durchf\u00fchrung des Projekts wurde durch die finanzielle F\u00f6rderung der Hessischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung erm\u00f6glicht, der die Schule seit vielen Jahren f\u00fcr ihr Engagement in der Erinnerungs- und Demokratiearbeit verbunden ist. Zu Beginn wurde in kurzen Ansprachen deutlich, wie wertvoll direkte Begegnungen mit Zeit- und Zweitzeugen f\u00fcr junge Menschen sind. Pers\u00f6nliche Lebensgeschichten k\u00f6nnten historische Ereignisse begreifbar machen und dazu beitragen, demokratische Grundwerte zu st\u00e4rken sowie Vorurteilen und Ausgrenzung entschlossen entgegenzutreten. Nach der Einf\u00fchrung stimmte ein kurzer Film die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf das Thema ein. Anhand historischer Bild- und Filmdokumente wurde das Ausma\u00df der nationalsozialistischen Verbrechen verdeutlicht und eine ruhige, nachdenkliche Atmosph\u00e4re geschaffen. \u201eMan merkt sofort, dass das kein normales Unterrichtsthema ist, sondern etwas, das einen pers\u00f6nlich betrifft\u201c, sagte eine Sch\u00fclerin der Klasse 10R im Anschluss. Im anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch berichtete Ricardo Lenzi Laubinger von der Geschichte seiner Familie, die w\u00e4hrend der NS-Zeit schwerste Verfolgung erleiden musste. Auch wenn er selbst nicht Opfer des Holocausts war, schilderte er eindrucksvoll die seelischen Verletzungen, die diese Zeit bei seinen Angeh\u00f6rigen hinterlassen hat. Besonders ersch\u00fctternd war der Bericht \u00fcber seine Mutter, die als einziges Mitglied ihrer Familie das Konzentrationslager Auschwitz \u00fcberlebte und dort den Mord an ihren Eltern und Geschwistern miterleben musste.. Ein Sch\u00fcler aus der 9H erkl\u00e4rte dazu: \u201eWenn jemand vor einem sitzt und von seiner eigenen Familie erz\u00e4hlt, versteht man erst, was diese Geschichte wirklich bedeutet.\u201c \u00dcber die Zeit des Nationalsozialismus hinaus machte Laubinger deutlich, dass Ausgrenzung und Benachteiligung f\u00fcr Sinti und Roma auch nach 1945 keineswegs beendet waren. Er berichtete von polizeilichen Erfassungen, zu denen Angeh\u00f6rige der Minderheit weiterhin verpflichtet wurden, sowie von der systematischen Ablehnung von Entsch\u00e4digungsantr\u00e4gen. Selbst schwerste Schicksale seien lange Zeit nicht anerkannt worden \u2013 ein Umstand, der viele der Jugendlichen besonders fassungslos zur\u00fccklie\u00df. \u201eIch dachte immer, nach dem Krieg w\u00e4re alles besser gewesen \u2013 das stimmt so einfach nicht\u201c, stellte eine Sch\u00fclerin nachdenklich fest. Doch das Gespr\u00e4ch blieb nicht in der Vergangenheit verhaftet: Der Zeitzeuge schlug immer wieder die Br\u00fccke in die Gegenwart und warnte vor den aktuellen Formen des Alltagsrassismus, f\u00fcr die er ebenfalls Beispiele gab. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler h\u00f6rten aufmerksam zu und zeigten sich tief bewegt. In der abschlie\u00dfenden Gespr\u00e4chsrunde stellten sie zahlreiche Fragen, die Laubinger ausf\u00fchrlich und offen beantwortete. Die rege Beteiligung zeigte, wie intensiv sich die Jugendlichen mit den geschilderten Erfahrungen auseinandergesetzt hatten. 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