{"id":15049,"date":"2019-11-22T18:14:08","date_gmt":"2019-11-22T17:14:08","guid":{"rendered":"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=15049"},"modified":"2019-11-22T18:14:08","modified_gmt":"2019-11-22T17:14:08","slug":"30-jahre-mauerfall-treffen-mit-dem-zeitzeugen-thomas-raufeisen-im-kulturhaus-alte-synagoge-in-muenzenberg-und-in-der-singbergschule-woelfersheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=15049","title":{"rendered":"30 Jahre Mauerfall \u2013 Treffen mit dem Zeitzeugen Thomas Raufeisen im Kulturhaus Alte Synagoge in M\u00fcnzenberg und in der Singbergschule W\u00f6lfersheim"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-15051\" src=\"http:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Mauerfall-M\u00fcller-1-1200x800.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Mauerfall-M\u00fcller-1-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Mauerfall-M\u00fcller-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Mauerfall-M\u00fcller-1-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n<p>Am vorvergangenen Freitag, dem 8. November, gedachten der Freundeskreis Burg und Stadt M\u00fcnzenberg, die Stadt und die Singbergschule W\u00f6lfersheim in zwei Veranstaltungen an eine der denkw\u00fcrdigsten Ereignisse der j\u00fcngeren Geschichte: den Fall der Mauer im Rahmen der friedlichen Revolution und die dann folgende Wiedervereinigung Deutschlands. Dazu hatten die Veranstalter Thomas Raufeisen eingeladen, der aus seinem Buch \u201eIch wurde in die DDR entf\u00fchrt. Von meinem Vater. Er war Spion\u201c erz\u00e4hlte. Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler des Leistungskurses Geschichte der Singbergschule W\u00f6lfersheim und einem Gru\u00dfwort der Ersten Beigeordneten des Wetteraukreises, Frau Stephanie Becker-B\u00f6sch (am Abend in M\u00fcnzenberg), lie\u00df Thomas Raufeisen Teile seines Lebens Revue passieren: Am 22. Januar 1979 fiel das Leben des 16-j\u00e4hrigen wie ein Kartenhaus zusammen. Auf einer \u00fcberst\u00fcrzten Flucht aus Hannover in die DDR erf\u00e4hrt er von seinem Vater, dass dieser seit 22 Jahren als Stasi-Spion in der Bundesrepublik eingesetzt ist. W\u00e4hrend sein Bruder Michael sich weigerte, die DDR-Staatsb\u00fcrgerschaft zu beantragen, und in den Westen ausreisen durfte, musste der minderj\u00e4hrige Thomas bei seinen Eltern in der DDR bleiben. Doch die Familie war mit dem Leben in der DDR bald unzufrieden und begann, ihre Flucht in die Bundesrepublik zu planen. Als sie im September 1981 ein weiteres Mal nach Ungarn fahren wollten, wurde Thomas verhaftet und zur Vernehmung in die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit nach Berlin gebracht. Die Eltern wurden bei einem Fluchtversuch am selben Abend auf der Autobahn verhaftet, ebenfalls dorthin transportiert und am n\u00e4chsten Tag zusammen mit ihrem Sohn Thomas in das Stasi-Gef\u00e4ngnis Berlin-Hohensch\u00f6nhausen gebracht. Mehr als ein Jahr sp\u00e4ter wurde Thomas Raufeisen wegen &#8222;ungesetzlichen Grenz\u00fcbertritts&#8220; und &#8222;landesverr\u00e4terischer Agentent\u00e4tigkeit&#8220; zu drei Jahren Haft verurteilt, die er in der Sonderhaftanstalt Bautzen II verb\u00fc\u00dfen musste. Nach seiner Freilassung im September 1984 wurde ihm die Ausreise in die Bundesrepublik genehmigt. Sein Vater wurde 1982 zu lebensl\u00e4nglicher Haft verurteilt und nach Bautzen II geschickt; er verstarb aus mysteri\u00f6sen Gr\u00fcnden w\u00e4hrend der Haft, seine Frau erhielt sieben Jahre.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Raufeisen erg\u00e4nzte seinen Bericht mit Fotos und Dokumenten. Das beeindruckendste Dokument war dabei das Urteil des Gerichts, das schon vor der eigentlichen Verhandlung feststand und von Stasi-Chef Mielke mit seiner Unterschrift und dem Zusatz \u201eeinverstanden\u201c genehmigt worden war.<\/p>\n<p>Bei beiden Veranstaltungen, am Morgen in W\u00f6lfersheim und am Abend in M\u00fcnzenberg, wurde Raufeisens Bericht durch zahlreiche Fragen der Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer erg\u00e4nzt, die das gro\u00dfe Interesse an diesem Thema zeigten. Deutlich wurde allen, dass es sehr wichtig ist, an Diktaturen zu erinnern, um den Wert der Demokratie zu erkennen. Nach den Darstellungen des Zeitzeugen kam niemand mehr auch nur ann\u00e4hernd auf die Idee, den Begriff Unrechtsstaat f\u00fcr die DDR in Zweifel zu ziehen, wie es einige Politiker heute noch tun.<\/p>\n<p>Die Veranstaltungen wurden dankenswerterweise im Rahmen des Bundesprogramms \u201eDemokratie leben\u201c und des Landesprogramms \u201eHessen aktiv f\u00fcr Demokratie und gegen Extremismus\u201c gef\u00f6rdert, die beide durch den Wetteraukreis begleitet werden. Ebenso beteiligt war die Organisation<\/p>\n<p>BUNTerLEBEN \u2013 gemeinsam f\u00fcr Vielfalt und Respekt, ein interkommunaler Zusammenschluss der Kommunen Echzell, Florstadt, Reichelsheim und W\u00f6lfersheim, die gemeinsam die Partnerschaft f\u00fcr Demokratie der Mittleren Wetterau darstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vorvergangenen Freitag, dem 8. 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Auf einer \u00fcberst\u00fcrzten Flucht aus Hannover in die DDR erf\u00e4hrt er von seinem Vater, dass dieser seit 22 Jahren als Stasi-Spion in der Bundesrepublik eingesetzt ist. W\u00e4hrend sein Bruder Michael sich weigerte, die DDR-Staatsb\u00fcrgerschaft zu beantragen, und in den Westen ausreisen durfte, musste der minderj\u00e4hrige Thomas bei seinen Eltern in der DDR bleiben. Doch die Familie war mit dem Leben in der DDR bald unzufrieden und begann, ihre Flucht in die Bundesrepublik zu planen. Als sie im September 1981 ein weiteres Mal nach Ungarn fahren wollten, wurde Thomas verhaftet und zur Vernehmung in die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit nach Berlin gebracht. Die Eltern wurden bei einem Fluchtversuch am selben Abend auf der Autobahn verhaftet, ebenfalls dorthin transportiert und am n\u00e4chsten Tag zusammen mit ihrem Sohn Thomas in das Stasi-Gef\u00e4ngnis Berlin-Hohensch\u00f6nhausen gebracht. Mehr als ein Jahr sp\u00e4ter wurde Thomas Raufeisen wegen &#8222;ungesetzlichen Grenz\u00fcbertritts&#8220; und &#8222;landesverr\u00e4terischer Agentent\u00e4tigkeit&#8220; zu drei Jahren Haft verurteilt, die er in der Sonderhaftanstalt Bautzen II verb\u00fc\u00dfen musste. Nach seiner Freilassung im September 1984 wurde ihm die Ausreise in die Bundesrepublik genehmigt. Sein Vater wurde 1982 zu lebensl\u00e4nglicher Haft verurteilt und nach Bautzen II geschickt; er verstarb aus mysteri\u00f6sen Gr\u00fcnden w\u00e4hrend der Haft, seine Frau erhielt sieben Jahre.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Raufeisen erg\u00e4nzte seinen Bericht mit Fotos und Dokumenten. Das beeindruckendste Dokument war dabei das Urteil des Gerichts, das schon vor der eigentlichen Verhandlung feststand und von Stasi-Chef Mielke mit seiner Unterschrift und dem Zusatz \u201eeinverstanden\u201c genehmigt worden war. Bei beiden Veranstaltungen, am Morgen in W\u00f6lfersheim und am Abend in M\u00fcnzenberg, wurde Raufeisens Bericht durch zahlreiche Fragen der Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer erg\u00e4nzt, die das gro\u00dfe Interesse an diesem Thema zeigten. Deutlich wurde allen, dass es sehr wichtig ist, an Diktaturen zu erinnern, um den Wert der Demokratie zu erkennen. Nach den Darstellungen des Zeitzeugen kam niemand mehr auch nur ann\u00e4hernd auf die Idee, den Begriff Unrechtsstaat f\u00fcr die DDR in Zweifel zu ziehen, wie es einige Politiker heute noch tun. Die Veranstaltungen wurden dankenswerterweise im Rahmen des Bundesprogramms \u201eDemokratie leben\u201c und des Landesprogramms \u201eHessen aktiv f\u00fcr Demokratie und gegen Extremismus\u201c gef\u00f6rdert, die beide durch den Wetteraukreis begleitet werden. 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