{"id":13636657,"date":"2025-02-27T18:51:44","date_gmt":"2025-02-27T17:51:44","guid":{"rendered":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=13636657"},"modified":"2025-02-27T19:04:23","modified_gmt":"2025-02-27T18:04:23","slug":"interreligioese-erfahrung-und-historische-auseinandersetzung-der-juedische-friedhof-in-woelfersheim-als-lernort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=13636657","title":{"rendered":"Interreligi\u00f6se Erfahrung und historische Auseinandersetzung: Der j\u00fcdische Friedhof in W\u00f6lfersheim als Lernort"},"content":{"rendered":"<p>Am 19.02.25 unternahmen der evangelischen Religionskurs der Klassen 10G1 und 10G2 eine Exkursion zum j\u00fcdischen Friedhof in W\u00f6lfersheim. Ziel war es, sich mit der Geschichte der j\u00fcdischen Gemeinde in W\u00f6lfersheim auseinanderzusetzen, religi\u00f6se Aspekte des Judentums zu erkunden und sich mit der Realit\u00e4t des Antisemitismus \u2013 damals und heute \u2013 zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-13636659 size-full\" src=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6819-k.jpg\" alt=\"\" width=\"906\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6819-k.jpg 906w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6819-k-300x155.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6819-k-768x396.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 906px) 100vw, 906px\" \/><\/p>\n<p><u>Der j\u00fcdische Friedhof: Ein gesch\u00fctzter Ort des Gedenkens<\/u><\/p>\n<p>Gleich zu Beginn stellte sich die Frage: Warum ist der Friedhof abgeschlossen? Dies f\u00fchrte die Lernenden direkt ins Thema. J\u00fcdische Friedh\u00f6fe sind \u201ef\u00fcr die Ewigkeit\u201c angelegt, da nach j\u00fcdischem Glauben Gr\u00e4ber nicht aufgel\u00f6st werden d\u00fcrfen. Doch die Verschlossenheit hat auch einen traurigen Grund: den Schutz vor Vandalismus, denn j\u00fcdische Friedh\u00f6fe sind immer wieder Ziel antisemitischer Angriffe.<\/p>\n<p>Beim Betreten des Friedhofs wurde zudem eine wichtige religi\u00f6se Tradition deutlich: Im Judentum ist das Bedecken des Kopfes ein Zeichen von Respekt vor Gott. Besonders an heiligen Orten wie einem Friedhof erinnert es an die Ehrfurcht vor dem Leben und dem Tod. So mussten die M\u00e4nner eine M\u00fctze tragen. Diese und weitere j\u00fcdische Begr\u00e4bnisriten gaben den Lernenden einen direkten Einblick in die religi\u00f6se Praxis. Gleichzeitig wurde die tragische Geschichte der j\u00fcdischen Gemeinde W\u00f6lfersheims greifbar: Von ungef\u00e4hr 35 j\u00fcdischen Einwohnern gab es nach 1939 keine j\u00fcdischen Einwohner mehr in W\u00f6lfersheim. \u00a0Einige hatten noch im Ersten Weltkrieg f\u00fcr Deutschland gek\u00e4mpft. Diese Erkenntnis hinterlie\u00df bei allen einen bleibenden Eindruck.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-13636658 size-full\" src=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6827-k.jpg\" alt=\"\" width=\"906\" height=\"680\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6827-k.jpg 906w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6827-k-300x225.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG_6827-k-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 906px) 100vw, 906px\" \/><\/p>\n<p><u>Vom Friedhof zum Restaurant Limoncello<\/u><\/p>\n<p>Nach dem Besuch des Friedhofs ging es weiter zur Pizzeria Limoncello, wo Thomas K\u00fcchenmeister von der Geschichte eines kleinen j\u00fcdischen Jungen berichtete, der in W\u00f6lfersheim lebte und die Reichspogromnacht 1938 miterlebte. Die Schilderungen von zerbrochenen Einmachgl\u00e4sern vor der Haust\u00fcr des Jungen und j\u00fcdischen Gesch\u00e4ften, die zerst\u00f6rt wurden, und dem allgemeinen Hass, der sich entlud, machten deutlich, wie tief Antisemitismus in der Gesellschaft verwurzelt war \u2013 und wie wichtig es ist, heute dagegen einzutreten.<\/p>\n<p><u>Eindr\u00fccke und Bedeutung f\u00fcr heute<\/u><\/p>\n<p>Die Exkursion war f\u00fcr viele Lernende eine eindr\u00fcckliche Erfahrung. Besonders die Kombination aus religi\u00f6ser Auseinandersetzung und konkreten historischen Schicksalen machte die Thematik greifbar. \u201eEs ist etwas v\u00f6llig anderes, an einem solchen Ort zu stehen, als nur dar\u00fcber zu lesen\u201c, fasste eine Sch\u00fclerin zusammen.<\/p>\n<p>Antisemitismus ist kein Relikt der Vergangenheit. Die Auseinandersetzung mit j\u00fcdischer Geschichte und Religion bleibt ein wichtiger Bestandteil schulischer Bildung \u2013 nicht nur, um die Vergangenheit zu verstehen, sondern auch, um f\u00fcr die Zukunft Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>(SCA)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19.02.25 unternahmen der evangelischen Religionskurs der Klassen 10G1 und 10G2 eine Exkursion zum j\u00fcdischen Friedhof in W\u00f6lfersheim. Ziel war es, sich mit der Geschichte der j\u00fcdischen Gemeinde in W\u00f6lfersheim auseinanderzusetzen, religi\u00f6se Aspekte des Judentums zu erkunden und sich mit der Realit\u00e4t des Antisemitismus \u2013 damals und heute \u2013 zu besch\u00e4ftigen. Der j\u00fcdische Friedhof: Ein gesch\u00fctzter Ort des Gedenkens Gleich zu Beginn stellte sich die Frage: Warum ist der Friedhof abgeschlossen? Dies f\u00fchrte die Lernenden direkt ins Thema. J\u00fcdische Friedh\u00f6fe sind \u201ef\u00fcr die Ewigkeit\u201c angelegt, da nach j\u00fcdischem Glauben Gr\u00e4ber nicht aufgel\u00f6st werden d\u00fcrfen. Doch die Verschlossenheit hat auch einen traurigen Grund: den Schutz vor Vandalismus, denn j\u00fcdische Friedh\u00f6fe sind immer wieder Ziel antisemitischer Angriffe. Beim Betreten des Friedhofs wurde zudem eine wichtige religi\u00f6se Tradition deutlich: Im Judentum ist das Bedecken des Kopfes ein Zeichen von Respekt vor Gott. Besonders an heiligen Orten wie einem Friedhof erinnert es an die Ehrfurcht vor dem Leben und dem Tod. So mussten die M\u00e4nner eine M\u00fctze tragen. Diese und weitere j\u00fcdische Begr\u00e4bnisriten gaben den Lernenden einen direkten Einblick in die religi\u00f6se Praxis. Gleichzeitig wurde die tragische Geschichte der j\u00fcdischen Gemeinde W\u00f6lfersheims greifbar: Von ungef\u00e4hr 35 j\u00fcdischen Einwohnern gab es nach 1939 keine j\u00fcdischen Einwohner mehr in W\u00f6lfersheim. \u00a0Einige hatten noch im Ersten Weltkrieg f\u00fcr Deutschland gek\u00e4mpft. Diese Erkenntnis hinterlie\u00df bei allen einen bleibenden Eindruck. Vom Friedhof zum Restaurant Limoncello Nach dem Besuch des Friedhofs ging es weiter zur Pizzeria Limoncello, wo Thomas K\u00fcchenmeister von der Geschichte eines kleinen j\u00fcdischen Jungen berichtete, der in W\u00f6lfersheim lebte und die Reichspogromnacht 1938 miterlebte. Die Schilderungen von zerbrochenen Einmachgl\u00e4sern vor der Haust\u00fcr des Jungen und j\u00fcdischen Gesch\u00e4ften, die zerst\u00f6rt wurden, und dem allgemeinen Hass, der sich entlud, machten deutlich, wie tief Antisemitismus in der Gesellschaft verwurzelt war \u2013 und wie wichtig es ist, heute dagegen einzutreten. 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