{"id":13636623,"date":"2025-02-23T18:35:58","date_gmt":"2025-02-23T17:35:58","guid":{"rendered":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=13636623"},"modified":"2025-02-23T18:36:21","modified_gmt":"2025-02-23T17:36:21","slug":"verhandlungsbesuch-im-amtsgericht-friedberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=13636623","title":{"rendered":"Verhandlungsbesuch im Amtsgericht Friedberg"},"content":{"rendered":"<p>Am 05.02.2025 besuchte der Deutschkurs der Einf\u00fchrungsphase von Frau Wojnicka das Amtsgericht in Friedberg. Dort hatten wir die M\u00f6glichkeit, eine Richterin kennenzulernen und eine Verhandlung mitzuerleben.<\/p>\n<p><strong>Das Gespr\u00e4ch mit der Richterin<\/strong><\/p>\n<p>Die Richterin arbeitet seit 2013 am Friedberger Amtsgericht, zuvor war sie in Gie\u00dfen t\u00e4tig gewesen. Sie ist in den Bereichen Strafrecht, Zivilrecht und Familienrecht engagiert.<\/p>\n<p>In einem einst\u00fcndigen Gespr\u00e4ch beantwortete sie unsere Fragen zu ihrem Beruf und zu rechtlichen Themen.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob jemand mit einer Jugendstrafe sp\u00e4ter Jura studieren und in diesem Bereich arbeiten k\u00f6nne, erkl\u00e4rte sie, dass Jugendstrafen nach einer gewissen Zeit gel\u00f6scht werden w\u00fcrden, sofern keine weiteren Straftaten begangen wurden. Daher sei es m\u00f6glich, dennoch eine juristische Karriere einzuschlagen.<\/p>\n<p>Zudem erfuhren wir, dass sie Delikte an Kindern am schlimmsten f\u00e4nde, noch keine ihrer Entscheidungen bereut habe und nie bestochen worden sei. Ebenso habe sie pers\u00f6nlich noch keine Situation erlebt, in der ein Angeklagter w\u00e4hrend einer Verhandlung ausf\u00e4llig geworden ist.<\/p>\n<p>Bezugnehmend auf das Buch <em>Verbrechen<\/em>, das wir im Deutschunterricht gelesen hatten, \u00e4u\u00dferte sie, dass ihr das Werk gefalle, da es die Hintergr\u00fcnde von Straftaten gut darstelle.<\/p>\n<p><strong>Die Gerichtsverhandlung<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Gespr\u00e4ch begann die Verhandlung. Im Gerichtssaal waren neben der Richterin ein Staatsanwalt, eine Protokollf\u00fchrerin, der Verteidiger, der Angeklagte, dessen Eltern sowie wir als Zuschauer anwesend.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-13636609 size-full\" src=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG-20250214-WA0010.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"659\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG-20250214-WA0010.jpg 2048w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG-20250214-WA0010-300x97.jpg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG-20250214-WA0010-1200x386.jpg 1200w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG-20250214-WA0010-768x247.jpg 768w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/IMG-20250214-WA0010-1536x494.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst verlas die Richterin die Anklage. Dem Angeklagten C.A. ist vorgeworfen worden, seine ehemalige Partnerin L.R., mit der er eine Aff\u00e4re gehabt habe, durch zahlreiche Anrufe und Nachrichten, an manchen Tagen bis zu 300, bel\u00e4stigt zu haben. Zudem habe er die Polizei angerufen und falsche Aussagen gemacht. In seiner Stellungnahme erkl\u00e4rte der Mann, dass er dies getan habe, weil die Kommunikation mit seiner Partnerin schw\u00e4cher geworden und es zu Vertrauensproblemen gekommen sei. Er gab zudem an, durch den Konsum von Drogen wie Kokain und Cannabis paranoide Gedanken entwickelt zu haben, die ihn zu dieser Tat gebracht h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Er berichtete weiterhin, dass er in seiner Paranoia geglaubt habe, sein Nachbar habe seine Partnerin entf\u00fchrt, weil er sie nicht habe erreichen k\u00f6nnen. Infolgedessen zeigte er seinen Nachbarn bei der Polizei an.<\/p>\n<p>Als Zeuge sagte der Polizist aus, der den Angeklagten nach dessen Anruf verh\u00f6rt hatte. Zuvor war die Wohnung des Nachbarn kontrolliert worden, wobei festgestellt worden war, dass dort keine Frau gegen ihren Willen festgehalten wurde. Der Polizist beschrieb C.A. als auff\u00e4llig und impulsiv.<\/p>\n<p>C.A. sei bereits zuvor mit drogeninduzierter paranoider Schizophrenie diagnostiziert worden und habe sich in Therapie sowie ambulanter Behandlung befunden, um seine Sucht zu bek\u00e4mpfen. Seitdem beging er Straftaten wie das Fahren ohne F\u00fchrerschein und Betrug, die jedoch noch nicht verhandelt worden sind. Der Angeklagte erkl\u00e4rte, mittlerweile eine Arbeitsstelle gefunden zu haben und keinen Kontakt mehr zu seiner Ex-Partnerin zu w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Die Richterin und der Staatsanwalt stellten fest, dass der Angeklagte sich gebessert habe und gest\u00e4ndig sei. Dennoch habe L.R. in einem Brief an das Gericht erkl\u00e4rt, dass sie sich durch sein Verhalten psychisch belastet gef\u00fchlt und sich selbst verletzt habe. Das Gericht entschied, dass C.A. weiterhin eine ambulante Therapie absolvieren und 1.500 Euro an den Frauennotruf zahlen m\u00fcsse. Wenn er diese Auflagen innerhalb von sechs Monaten erf\u00fclle, w\u00fcrde er nicht weiter bestraft werden. Mit dem Urteil wurde die Verhandlung abgeschlossen.<\/p>\n<p>Im Anschluss hatten wir die M\u00f6glichkeit, Fragen bez\u00fcglich der Verhandlung zu stellen.<\/p>\n<p><strong>Fazit des Besuchs<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Ausflug hinterlie\u00df bei mir und den meisten meiner Mitsch\u00fclerinnen und Mitsch\u00fclern einen bleibenden Eindruck und half uns, das Buch <em>Verbrechen<\/em> von Ferdinand von Schirach besser zu verstehen. Gleichzeitig erm\u00f6glichte der Besuch vielen, zum ersten Mal ein Gericht zu sehen, einer Verhandlung beizuwohnen, mit einer Richterin zu sprechen und Antworten auf ihre Fragen zu erhalten. Es war ein gelungener Abschluss der Unterrichtsreihe.<\/p>\n<p>(Von Serdar K\u00fcc\u00fckaslan)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 05.02.2025 besuchte der Deutschkurs der Einf\u00fchrungsphase von Frau Wojnicka das Amtsgericht in Friedberg. Dort hatten wir die M\u00f6glichkeit, eine Richterin kennenzulernen und eine Verhandlung mitzuerleben. Das Gespr\u00e4ch mit der Richterin Die Richterin arbeitet seit 2013 am Friedberger Amtsgericht, zuvor war sie in Gie\u00dfen t\u00e4tig gewesen. Sie ist in den Bereichen Strafrecht, Zivilrecht und Familienrecht engagiert. In einem einst\u00fcndigen Gespr\u00e4ch beantwortete sie unsere Fragen zu ihrem Beruf und zu rechtlichen Themen. Auf die Frage, ob jemand mit einer Jugendstrafe sp\u00e4ter Jura studieren und in diesem Bereich arbeiten k\u00f6nne, erkl\u00e4rte sie, dass Jugendstrafen nach einer gewissen Zeit gel\u00f6scht werden w\u00fcrden, sofern keine weiteren Straftaten begangen wurden. Daher sei es m\u00f6glich, dennoch eine juristische Karriere einzuschlagen. Zudem erfuhren wir, dass sie Delikte an Kindern am schlimmsten f\u00e4nde, noch keine ihrer Entscheidungen bereut habe und nie bestochen worden sei. Ebenso habe sie pers\u00f6nlich noch keine Situation erlebt, in der ein Angeklagter w\u00e4hrend einer Verhandlung ausf\u00e4llig geworden ist. Bezugnehmend auf das Buch Verbrechen, das wir im Deutschunterricht gelesen hatten, \u00e4u\u00dferte sie, dass ihr das Werk gefalle, da es die Hintergr\u00fcnde von Straftaten gut darstelle. Die Gerichtsverhandlung Nach dem Gespr\u00e4ch begann die Verhandlung. Im Gerichtssaal waren neben der Richterin ein Staatsanwalt, eine Protokollf\u00fchrerin, der Verteidiger, der Angeklagte, dessen Eltern sowie wir als Zuschauer anwesend. Zun\u00e4chst verlas die Richterin die Anklage. Dem Angeklagten C.A. ist vorgeworfen worden, seine ehemalige Partnerin L.R., mit der er eine Aff\u00e4re gehabt habe, durch zahlreiche Anrufe und Nachrichten, an manchen Tagen bis zu 300, bel\u00e4stigt zu haben. Zudem habe er die Polizei angerufen und falsche Aussagen gemacht. In seiner Stellungnahme erkl\u00e4rte der Mann, dass er dies getan habe, weil die Kommunikation mit seiner Partnerin schw\u00e4cher geworden und es zu Vertrauensproblemen gekommen sei. Er gab zudem an, durch den Konsum von Drogen wie Kokain und Cannabis paranoide Gedanken entwickelt zu haben, die ihn zu dieser Tat gebracht h\u00e4tten. Er berichtete weiterhin, dass er in seiner Paranoia geglaubt habe, sein Nachbar habe seine Partnerin entf\u00fchrt, weil er sie nicht habe erreichen k\u00f6nnen. Infolgedessen zeigte er seinen Nachbarn bei der Polizei an. Als Zeuge sagte der Polizist aus, der den Angeklagten nach dessen Anruf verh\u00f6rt hatte. Zuvor war die Wohnung des Nachbarn kontrolliert worden, wobei festgestellt worden war, dass dort keine Frau gegen ihren Willen festgehalten wurde. Der Polizist beschrieb C.A. als auff\u00e4llig und impulsiv. C.A. sei bereits zuvor mit drogeninduzierter paranoider Schizophrenie diagnostiziert worden und habe sich in Therapie sowie ambulanter Behandlung befunden, um seine Sucht zu bek\u00e4mpfen. Seitdem beging er Straftaten wie das Fahren ohne F\u00fchrerschein und Betrug, die jedoch noch nicht verhandelt worden sind. Der Angeklagte erkl\u00e4rte, mittlerweile eine Arbeitsstelle gefunden zu haben und keinen Kontakt mehr zu seiner Ex-Partnerin zu w\u00fcnschen. Die Richterin und der Staatsanwalt stellten fest, dass der Angeklagte sich gebessert habe und gest\u00e4ndig sei. Dennoch habe L.R. in einem Brief an das Gericht erkl\u00e4rt, dass sie sich durch sein Verhalten psychisch belastet gef\u00fchlt und sich selbst verletzt habe. Das Gericht entschied, dass C.A. weiterhin eine ambulante Therapie absolvieren und 1.500 Euro an den Frauennotruf zahlen m\u00fcsse. Wenn er diese Auflagen innerhalb von sechs Monaten erf\u00fclle, w\u00fcrde er nicht weiter bestraft werden. Mit dem Urteil wurde die Verhandlung abgeschlossen. Im Anschluss hatten wir die M\u00f6glichkeit, Fragen bez\u00fcglich der Verhandlung zu stellen. Fazit des Besuchs Dieser Ausflug hinterlie\u00df bei mir und den meisten meiner Mitsch\u00fclerinnen und Mitsch\u00fclern einen bleibenden Eindruck und half uns, das Buch Verbrechen von Ferdinand von Schirach besser zu verstehen. Gleichzeitig erm\u00f6glichte der Besuch vielen, zum ersten Mal ein Gericht zu sehen, einer Verhandlung beizuwohnen, mit einer Richterin zu sprechen und Antworten auf ihre Fragen zu erhalten. Es war ein gelungener Abschluss der Unterrichtsreihe. 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