{"id":11562686,"date":"2024-07-03T20:37:52","date_gmt":"2024-07-03T18:37:52","guid":{"rendered":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=11562686"},"modified":"2024-07-03T20:37:52","modified_gmt":"2024-07-03T18:37:52","slug":"zeitzeugengespraech-mit-r-laubinger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/?p=11562686","title":{"rendered":"Zeitzeugengespr\u00e4ch mit R. Laubinger"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"color: #800000;\"><em>\u201eEs ist keine Anklage. Ihr seid jedoch die Zukunft und von euch h\u00e4ngt vieles ab!<\/em>\u201c<\/span><\/h2>\n<h2><span style=\"color: #800000;\"><em>\u00dcber das Zweitzeugengespr\u00e4ch mit Ricardo Laubinger, dem Gr\u00fcnder und Vorsitzenden der Sinti-Union Hessen<\/em><\/span><\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-11562688 size-full\" src=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Laubinger-Foto1.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"275\" \/>Am 27. Juni 2024 hatten die 9. und 10. Klassen der Singbergschule W\u00f6lfersheim die Gelegenheit, einem Zweitzeugengespr\u00e4ch mit Herrn Ricardo Laubinger, einem Sinto, beizuwohnen. Die von Frau Pietsch organisierte Veranstaltung hinterlie\u00df bei allen Beteiligten einen tiefen Eindruck.<\/p>\n<p>Zu Beginn der Veranstaltung gab Frau Pietsch, Geschichtslehrerin und Beauftragte des Bereichs \u201e\u00d6ffnung von Schule\u201c einen kurzen Ausblick auf den Ablauf der zwei folgenden Stunden. Anschlie\u00dfend wurde ein eindrucksvoller Kurzfilm gezeigt, der durch Bilder und Dokumentaraufnahmen die Gr\u00e4ueltaten des Holocausts veranschaulichte. Diese visuelle Einf\u00fchrung schuf eine ernste und nachdenkliche Atmosph\u00e4re und bereitete die Sch\u00fcler auf das bevorstehende Gespr\u00e4ch mit Herrn Laubinger vor. Laubinger betonte im Anschluss, dass in der NS-Zeit nicht nur Juden, sondern auch viele andere Gruppen, darunter die Sinti und Roma, unter dem Terror der Nationalsozialisten litten.<\/p>\n<p>Laubinger, geboren im Jahr 1959, musste die Schrecken des Holocausts nicht selbst erleben. Er berichtete jedoch eindrucksvoll von den Erlebnissen seiner Familie w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs, die ihm seine Eltern erz\u00e4hlt hatten. Diese pers\u00f6nlichen Geschichten gaben den Sch\u00fclern einen tiefen Einblick in die Leiden und das \u00dcberleben der Sinti w\u00e4hrend dieser dunklen Zeit.<\/p>\n<p>Laubingers Familie wurde von den Nationalsozialisten verfolgt und in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Er erz\u00e4hlte die Geschichte seiner Mutter, die als einzige ihrer Familie die Grauen von Auschwitz \u00fcberlebte. Mit gro\u00dfer Emotionalit\u00e4t sprach Laubinger \u00fcber die Erlebnisse seiner Mutter, die ihre Geschwister und Eltern in den Lagern verlor und teilweise sogar die Morde mit ihren eigenen Augen verfolgen musste. Besonders ersch\u00fctternd war die Schilderung, dass Dr. Mengele an den Cousins von Herrn Laubinger experimentiert haben soll.<\/p>\n<p>Neben den Erz\u00e4hlungen \u00fcber die Vergangenheit berichtete Herr Laubinger auch von den andauernden Diskriminierungen nach dem Krieg. Obwohl dieser lange vorbei war, endeten die Vorurteile und die Benachteiligung nicht. Sinti h\u00e4tten sich regelm\u00e4\u00dfig bei der Polizei melden m\u00fcssen. Dabei habe man von ihnen und sogar ihren Kindern Fotos gemacht und Fingerabdr\u00fccke genommen. Sie seien wie Verbrecher behandelt worden. Zudem seien alle Wiedergutmachungsantr\u00e4ge seiner Mutter abgelehnt worden. Besonders absurd sei die Ablehnung des Antrags f\u00fcr seinen Onkel gewesen, der mit nur zwei Monaten ins KZ gekommen sei.<\/p>\n<p>1978 erlebte Herr Laubingers Familie ein unerwartetes Wiedersehen mit einem totgeglaubten Halbbruder. Zuvor hatte die Kriminalpolizei der Familie f\u00e4lschlicherweise mitgeteilt, dass dieser bereits im KZ umgebracht worden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Diese pers\u00f6nlichen Einblicke in die Nachkriegszeit machten den Sch\u00fclern deutlich, dass die Auswirkungen des Holocausts und die Diskriminierung der Sinti und Roma bis in die Gegenwart reichen. Die Erz\u00e4hlungen von Herrn Laubinger waren nicht nur eine bewegende Geschichtsstunde, sondern auch eine wichtige Mahnung an die jungen Zuh\u00f6rer. Die Sch\u00fcler waren sichtlich betroffen und stellten im Anschluss viele Fragen, die Laubinger geduldig und offen beantwortete. Die Sch\u00fcler waren besonders an den Sitten und den Unterschieden zwischen Sinti und Roma interessiert. So erfuhren sie, dass es den Sinti nicht gestattet ist, ihre Sprache an andere V\u00f6lker weiterzugeben. Diese Restriktion solle einen Schutz darstellen, da die Sprache w\u00e4hrend der NS-Verfolgung gegen die Bev\u00f6lkerungsgruppe angewandt wurde.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung war ein eindrucksvoller Beweis daf\u00fcr, wie wichtig es ist, die Geschichten der Vergangenheit zu bewahren und weiterzugeben. \u201eDurch die pers\u00f6nlichen Berichte von Zweitzeugen wie Herrn Laubinger sowie Zeitzeugen wird Geschichte lebendig und erh\u00e4lt eine unmittelbare Bedeutung. Es ist unsere Verantwortung, diese Erinnerungen zu bewahren und aus ihnen zu lernen, um eine bessere Zukunft zu gestalten\u201c, so Katharina Pietsch.<\/p>\n<p>Ein herzliches Dankesch\u00f6n gilt der Hessischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung f\u00fcr ihre finanzielle Unterst\u00fctzung der demokratief\u00f6rdernden Veranstaltung.<\/p>\n<p>Ein Bericht von Gabriela Wojnicka<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11562687 size-large\" src=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Laubinger-Foto2-1024x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Laubinger-Foto2-1024x1024.jpeg 1024w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Laubinger-Foto2-300x300.jpeg 300w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Laubinger-Foto2-150x150.jpeg 150w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Laubinger-Foto2-768x768.jpeg 768w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Laubinger-Foto2-1536x1536.jpeg 1536w, https:\/\/singbergschule-woelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/Laubinger-Foto2.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs ist keine Anklage. 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Diese visuelle Einf\u00fchrung schuf eine ernste und nachdenkliche Atmosph\u00e4re und bereitete die Sch\u00fcler auf das bevorstehende Gespr\u00e4ch mit Herrn Laubinger vor. Laubinger betonte im Anschluss, dass in der NS-Zeit nicht nur Juden, sondern auch viele andere Gruppen, darunter die Sinti und Roma, unter dem Terror der Nationalsozialisten litten. Laubinger, geboren im Jahr 1959, musste die Schrecken des Holocausts nicht selbst erleben. Er berichtete jedoch eindrucksvoll von den Erlebnissen seiner Familie w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs, die ihm seine Eltern erz\u00e4hlt hatten. Diese pers\u00f6nlichen Geschichten gaben den Sch\u00fclern einen tiefen Einblick in die Leiden und das \u00dcberleben der Sinti w\u00e4hrend dieser dunklen Zeit. Laubingers Familie wurde von den Nationalsozialisten verfolgt und in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Er erz\u00e4hlte die Geschichte seiner Mutter, die als einzige ihrer Familie die Grauen von Auschwitz \u00fcberlebte. Mit gro\u00dfer Emotionalit\u00e4t sprach Laubinger \u00fcber die Erlebnisse seiner Mutter, die ihre Geschwister und Eltern in den Lagern verlor und teilweise sogar die Morde mit ihren eigenen Augen verfolgen musste. Besonders ersch\u00fctternd war die Schilderung, dass Dr. Mengele an den Cousins von Herrn Laubinger experimentiert haben soll. Neben den Erz\u00e4hlungen \u00fcber die Vergangenheit berichtete Herr Laubinger auch von den andauernden Diskriminierungen nach dem Krieg. Obwohl dieser lange vorbei war, endeten die Vorurteile und die Benachteiligung nicht. Sinti h\u00e4tten sich regelm\u00e4\u00dfig bei der Polizei melden m\u00fcssen. Dabei habe man von ihnen und sogar ihren Kindern Fotos gemacht und Fingerabdr\u00fccke genommen. Sie seien wie Verbrecher behandelt worden. Zudem seien alle Wiedergutmachungsantr\u00e4ge seiner Mutter abgelehnt worden. Besonders absurd sei die Ablehnung des Antrags f\u00fcr seinen Onkel gewesen, der mit nur zwei Monaten ins KZ gekommen sei. 1978 erlebte Herr Laubingers Familie ein unerwartetes Wiedersehen mit einem totgeglaubten Halbbruder. Zuvor hatte die Kriminalpolizei der Familie f\u00e4lschlicherweise mitgeteilt, dass dieser bereits im KZ umgebracht worden w\u00e4re. Diese pers\u00f6nlichen Einblicke in die Nachkriegszeit machten den Sch\u00fclern deutlich, dass die Auswirkungen des Holocausts und die Diskriminierung der Sinti und Roma bis in die Gegenwart reichen. Die Erz\u00e4hlungen von Herrn Laubinger waren nicht nur eine bewegende Geschichtsstunde, sondern auch eine wichtige Mahnung an die jungen Zuh\u00f6rer. Die Sch\u00fcler waren sichtlich betroffen und stellten im Anschluss viele Fragen, die Laubinger geduldig und offen beantwortete. Die Sch\u00fcler waren besonders an den Sitten und den Unterschieden zwischen Sinti und Roma interessiert. So erfuhren sie, dass es den Sinti nicht gestattet ist, ihre Sprache an andere V\u00f6lker weiterzugeben. Diese Restriktion solle einen Schutz darstellen, da die Sprache w\u00e4hrend der NS-Verfolgung gegen die Bev\u00f6lkerungsgruppe angewandt wurde. Die Veranstaltung war ein eindrucksvoller Beweis daf\u00fcr, wie wichtig es ist, die Geschichten der Vergangenheit zu bewahren und weiterzugeben. \u201eDurch die pers\u00f6nlichen Berichte von Zweitzeugen wie Herrn Laubinger sowie Zeitzeugen wird Geschichte lebendig und erh\u00e4lt eine unmittelbare Bedeutung. Es ist unsere Verantwortung, diese Erinnerungen zu bewahren und aus ihnen zu lernen, um eine bessere Zukunft zu gestalten\u201c, so Katharina Pietsch. Ein herzliches Dankesch\u00f6n gilt der Hessischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung f\u00fcr ihre finanzielle Unterst\u00fctzung der demokratief\u00f6rdernden Veranstaltung. 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